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Der Chatbot und mein Schäferhund - Challenge accepted

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Die Idee zum Artikel

Mein Schäferhund – mein alter Freund Tommy – ist im April 2025 nach 13 gemeinsamen Jahren für immer eingeschlafen. Das letzte Jahrzehnt war geprägt von inniger Freundschaft und nahezu blindem Vertrauen. Kommandos wie Sitz, Platz oder Fuß waren zwar möglich, aber längst nicht mehr notwendig. Je älter Tommy wurde, desto mehr verstand er meine Sprache – nicht nur über Worte, sondern vor allem über Augenkontakt, Mimik und Handbewegungen. Eine selbstverständliche Form der Kommunikation entstand: getragen von täglichen Routinen, gemeinsamen Erlebnissen und vielen stillen Momenten. Eine solide Basis für Interaktion im Alltag, gewachsen über Jahre des Zusammenlebens.

„Da ein Leben ohne Hund möglich ist, aber sinnlos“, folgte Filou nur wenige Wochen später. Die Freude inmitten der Trauer brachte jedoch Erwartungen mit sich, die sich von Beginn an nicht erfüllten. Obwohl dieselbe Rasse, ein Rüde, ähnliches Aussehen – Filou ist ein völlig anderer Hund.Mir war das eigentlich bewusst. Und doch hatte ich verdrängt, dass die Kommunikation mit Tommy keine Selbstverständlichkeit von Anfang an war. Sie war ein Prozess. Ein langwieriger, sich stetig anpassender Weg des Abgleichens, Kennenlernens und Wertschätzens. Meine Sprache, meine Art zu kommunizieren, führte in den ersten Wochen mit Filou kaum zum Erfolg. Erst langsam – aber stetig – lernen wir einander zu verstehen, zu akzeptieren und Vertrauen aufzubauen. Ein Prozess, der uns täglich vor neue Herausforderungen stellt.

Eigentlich ist das gar nicht so anders als mit KiKi. KiKi (KI² = KI × KI = KiKi) ist der Kosename für meinen OpenAI-Chatbot. Auch KiKi hatte am Anfang so etwas wie einen „eigenen Willen“. Und auch hier braucht es Zeit, Geduld und stetiges Nachjustieren, bis sich das Gegenüber auf mein Tätigkeitsfeld und meine Bedürfnisse einstellt. Wie bei Filou gilt auch hier: Nachschärfen, Anpassen, Wiederholen. Ein perfekt funktionierendes System gibt es weder beim Hund noch beim Chatbot – und genau darin liegt der Reiz, aber auch die tägliche Challenge.

Über konkrete Hundeerziehung möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben – dafür gibt es andere Spezialistinnen und Spezialisten (Hundefloh). Den Vergleich ziehe ich dennoch in den folgenden Abschnitten hin und wieder heran: zum besseren Verständnis und zum inneren Schmunzeln.  Stattdessen geht es um konkrete Tipps und coole Tricks – praktisch umsetzbar, zum Nacharbeiten, Ausprobieren und Anpassen an die eigenen Bedürfnisse.

Unterschiedliche generative KI Tools wie unterschiedliche Hunderassen

So wie wir keinen Wolf, sondern einen Hund an unserer Seite haben, sprechen wir im Zusammenhang mit Chatbots von generativer KI – und nicht von KI an sich. Dieser Unterschied ist wichtig. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an generativen KI-Tools, genauso wie es unterschiedlichste Hunderassen gibt. Jede mit eigenen Eigenschaften, Stärken, Schwächen und einem ganz eigenen „Energielevel“. Deshalb gilt in beiden Fällen: ausprobieren, vergleichen, kennenlernen. Nicht jeder Hund passt zu jedem Herrchen – und nicht jeder Chatbot zu jeder Nutzerin oder jedem Nutzer. Manche sind schnell, andere gründlich. Manche kreativ, andere stark strukturiert. Manche brauchen klare Kommandos, andere mehr Freiraum. Und manchmal hat man sogar das Gefühl, dass nicht man selbst den Hund oder den Chatbot auswählt, sondern umgekehrt. Dass einen der Charakter der generativen KI über kurz oder lang findet. Ein Mythos? Längst nicht mehr.

Meine Wahl fiel auf einen belgischen Schäferhund (Tervueren) – und auf OpenAI ChatGPT. In der weiteren Folge beschreibe ich hier vor allem Tipps zur Bezahlversion (rund 23 Euro im Monat). Viele dieser Erfahrungen und Vorgehensweisen lassen sich jedoch auch auf andere generative KI-Gefährten problemlos übertragen. In unserem Artikeln zur Hitparade der generativen KI und Chatbots haben wir mehrere Vertreter dieser Spezies vorgestellt. Neben ChatGPT empfehlen wir unter anderem Google Gemini, DuckDuckGo oder NotebookLM. Die kostenlosen Versionen sind für den Einstieg in die Welt der generativen KI meist völlig ausreichend. Wer jedoch mehr Funktionen, Tiefe und Komfort möchte, sollte – je nach Einsatzgebiet – einen Blick auf die jeweiligen Bezahlversionen werfen.

Unterschiedliche Aufgaben für unterschiedliche digitale Tools & analoge Hunde

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Ein Chatbot ist nicht Google – auch wenn er mittlerweile über ein beachtliches Portfolio an Möglichkeiten verfügt. Dazu zählen unter anderem Such- und Recherchefunktionen, bei denen aufeinanderfolgende Fragestellungen sinnvoll miteinander verknüpft werden können (vgl. KI-Modus der Suchmaschine von Google). Die eigentliche Revolution der digitalen Evolution – die sprichwörtliche digitale eierlegende Wollmilchsau – ist jedoch keiner der genannten Chatbots. Genauso wenig, wie es den einen Hund für alle Zwecke und Lebenssituationen gibt.

Auf die genaue technische Differenzierung zwischen Chatbot, LLM, GPT und Prompting sind wir bereits in einem anderen Artikel eingegangen. Entscheidend ist etwas anderes: Für sich selbst herauszufinden, in welchen Bereichen digitale Power einen echten Mehrwert bringt – und wo sie lediglich ein sinnvoller Zeitfresser bleibt. Spezielle Aufgaben erfordern spezialisierte generative KI, die sich genau in diesen Bereichen etabliert hat. Wir haben bereits über KI-Bilder und KI-Videos berichtet – darüber, wie sie unseren Alltag verändern, welche neuen Möglichkeiten entstehen, aber auch, welche Risiken damit verbunden sind.

Dranbleiben, ausprobieren, kritisch reflektieren und die rasante Entwicklung der generativen KI-Tools nicht aus den Augen verlieren. Denn Stillstand ist in diesem Bereich keine Option – er ist ein Rückschritt im eigenen Tun.

Wer du bist - was du willst

Wenn du deine Wahl getroffen hast, solltest du nicht einfach loslegen. Kein verantwortungsvoller Mensch setzt einem Hund kommentarlos die Leine an und erwartet, dass alles sofort funktioniert. Kennenlernen ist angesagt. Regeln, Grenzen und Gewohnheiten müssen erst entstehen. Genauso ist es beim Chatbot. Bevor KiKi zuverlässig „bei Fuß geht“, muss sie wissen, wer du bist, wie du arbeitest und was du von ihr erwartest. Diese erste Phase ist keine Zeitverschwendung – sie ist die Grundlage für alles, was danach kommt.

Bei einigen Chatbots lässt sich dieses „Grundtraining“ bereits sehr fein über die Einstellungen erledigen – vorausgesetzt, man ist angemeldet. In ChatGPT geschieht das ganz einfach: Klicke auf deinen Profilnamen und anschließend auf „Personalisieren“. 

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ChatGPT lässt sich personalisieren, also gezielt an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Das ist besonders praktisch, weil der Chatbot dadurch besser versteht, wie er dir helfen soll – zum Beispiel beim Lernen, Recherchieren oder beim Erklären von Aufgaben. Eine der wichtigsten Einstellungen betrifft die Frage, wer du bist und wofür du ChatGPT nutzt. Wenn du angibst, dass du Schüler oder Schülerin bist, erklärt ChatGPT Inhalte in der Regel einfacher, strukturierter und mit mehr Beispielen. So werden auch komplizierte Themen verständlicher und Texte (Text - Temperature) klarer aufbereitet.

Fülle unbedingt, zusätzlich zu Nickname und Beruf,  die beiden folgenden Felder Individuelle Hinweise & Mehr über dich aus. Nutze unseren Mustertext als Vorlage und passe ihn so an, dass er gut zu dir passt.

Feld -  Individuelle Hinweise: Bitte kontrolliere Rechercheergebnisse immer mit mindestens drei vertrauenswürdigen Quellen aus dem Internet und erfinde niemals Informationen oder Details. Gib die verwendeten Quellen am Ende deiner Antwort klar und nachvollziehbar an. Wenn Informationen unsicher oder widersprüchlich sind, weise mich ausdrücklich darauf hin. Erkläre mir Sachverhalte Schritt für Schritt und fasse längere Inhalte am Ende kurz zusammen. Stelle mir bei unklaren Aufgaben zuerst Rückfragen, bevor du antwortest. Formuliere deine Antworten in klaren, kurzen Sätzen und achte auf eine gut strukturierte Darstellung; kleine Überschriften sind dabei hilfreich. Nutze einfache, verständliche Sprache und erkläre Fachbegriffe kurz. Vergleiche von Inhalten gib mir bitte tabellarisch aus. Verwende Beispiele aus dem Schulalltag, wenn sie sinnvoll sind. Passe Stil und Ton deiner Antworten an das Schulbuchniveau der 8. Schulstufe an. Antworte weder zu knapp noch unnötig ausführlich, sondern so ausführlich, wie es für mein Lernen sinnvoll ist.

Feld - Mehr über dich: Ich bin ein Schüler der 8. Schulstufe. Du unterstützt mich als Nachhilfelehrer beim Lernen und beim Verstehen von Unterrichtsstoff. Erkläre Inhalte geduldig, Schritt für Schritt und altersgerecht. Hilf mir, Zusammenhänge zu verstehen, statt nur Ergebnisse zu liefern. Stelle mir Rückfragen, wenn etwas unklar ist, und überprüfe mein Verständnis mit kurzen Kontrollfragen. Unterstütze mich bei Hausübungen, Referaten und bei der Vorbereitung auf Schularbeiten, ohne mir die Arbeit einfach abzunehmen. Ziel ist es, meine Selbstständigkeit zu stärken und meine schulischen Leistungen nachhaltig zu verbessern.

Wichtig: Aktiviere unter Erinnerungen die Optionen „Gespeicherte Erinnerungen berücksichtigen“ und „Chatverlauf berücksichtigen“. Aktiviere außerdem die Internetsuche, damit ChatGPT automatisch im Internet nach Antworten suchen kann.

Mit der Zeit merkt sich ChatGPT außerdem bestimmte Vorlieben – zum Beispiel, dass du Beispiele brauchst oder Schritt-für-Schritt-Erklärungen bevorzugst. Dadurch werden die Antworten persönlicher und besser auf dich abgestimmt. Durch die Personalisierung wird ChatGPT zu einem lernenden digitalen Lernpartner, der sich an dich anpasst – nicht umgekehrt. Ganz ähnlich wie ein Hund, der dich von Tag zu Tag besser kennenlernt und immer besser versteht.

Solltest du keine Anmeldung wünschen oder sich dein Chatbot nicht konfigurieren lassen, notiere dir deine angepassten Texte in Word. Kopiere sie bei Bedarf und füge sie vor der eigentlichen Aufgabenstellung in das Chatfenster ein.

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Beschäftige dich mit deinem Chatbot

Bei Lehrerinnen und Lehrern sind Chatbots oft verpönt. Das liegt meist daran, dass sie von Schülerinnen und Schülern falsch verwendet werden. Eine kurze Frage oder eine unklare Anweisung, kombiniert mit der schulischen Aufgabenstellung, führt häufig zu einer schwammigen Lösung, die dann kopiert und als eigene Arbeit abgegeben wird (Copy-Paste-Problematik). Das macht keinen Sinn – und es bringt dich vor allem nur sehr kurzfristig weiter.

Konstruktives Arbeiten im Dialog ist gefragt. Dieses Arbeiten muss jedoch erst erlernt und geübt werden. Genauso wie du dich mit deinem Hund beschäftigen musst – und ihn nicht nur fütterst –, ist es wichtig, die Möglichkeiten der generativen KI aktiv zu erkunden und sinnvoll zu nutzen. Voraussetzung dafür sind jedoch deine Grundkompetenzen: analoges Rechnen, themenorientiertes Schreiben, sinnerfassendes Lesen und eine fokussierte, klare Kommunikation. Ein Chatbot kann keine Gedanken lesen. Deine strukturierten Gedanken in Form eines klaren Prompts (ausformulierten Anweisungen bzw. Fragestellungen) sind der Schlü ssel zum Erfolg – in der analogen ebenso wie in der digitalen Welt.

Präzise Anweisungen geben und klare Fragen stellen

Die Hauptrolle des Nachhilfelehrers hast du bereits in den Einstellungen definiert. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, denn der Input bestimmt den Output des Chatbots. In der Fachsprache nennt man deine Eingabe einen Prompt. Ihn bewusst, klar, positiv und sinnvoll zu formulieren, bezeichnet man als Prompt Engineering. Genau das ist eine Fähigkeit, die man lernen und üben kann – und die entscheidend dafür ist, wie hilfreich die Antworten ausfallen. 

Die Hauptrolle des  Nachhilfelehrer kann geschickt angepasst werden durch folgende situationselatische Begriffe: Lerncoachs, Mentors, Prüfers, Referatscoachs, Korrekturlesers, Diskussionspartners. Ein Chatbot kann jedoch auch unterschiedliche Nebenrollen einnehmen. Diese bewusst festzulegen ist so hilfreich, weil dadurch von Anfang an klar ist, aus welcher Sicht und mit welchem Ziel Antworten gegeben werden sollen. Fehlt diese Orientierung, bleiben die Antworten oft allgemein, fast wikipediaartig und unverbindlich. Wird jedoch kurzfristig eine Nebenrolle definiert, ändert sich der Blickwinkel des durchaus sehr flexiblen - eitlen Chatbots: Sprache, Erklärungstiefe und Aufbau passen sich automatisch besser an deine Bedürfnisse an. Man kann sich das wie eine Brille vorstellen, durch die der Chatbot auf ein Thema schaut. Je klarer diese Brille eingestellt ist, desto treffender und hilfreicher fallen die Antworten aus. So entstehen keine Standardtexte, sondern passgenaue Unterstützung – genau dort, wo du sie brauchst.

Beispiel: Versetze dich in die Rolle von Wolfgang Amadeus Mozart. Erzähle aus deinem Leben und deinem musikalischen Schaffen die wichtigsten Highlights in verständlicher Sprache. Gehe dabei auf deine Kindheit, deine wichtigsten Werke und deine Bedeutung für die Musikgeschichte ein. Erkläre Zusammenhänge anschaulich und mit kurzen Beispielen. Bleibe sachlich korrekt, aber erzähle lebendig aus deiner Perspektive. Sei anschließend offen für weitere Fragen und beantworte sie mir ehrlich.

Je genauer deine Vorgaben & Strukturen sind, je klarer du diese beschreibst und deine Fragen eindeutig formulierst, desto besser wird die Antwort. Dein Input bestimmt den Output des Chatbots Dabei sollten folgende - sich oft überschneidende - Kriterien berücksichtigt  werden:  

ZielgruppeLängeStilFormat, Beschränkungen

Beispiel: Erkläre mir den Treibhauseffekt verständlich und sachlich. Die Erklärung soll für Schülerinnen und Schüler der 8. Schulstufe geeignet sein (Zielgruppe). Der Text soll ca. 150 Wörter lang sein (Länge). Schreibe in einfacher, klarer Sprache auf Schulbuchniveau und vermeide Fachjargon (Constraints) oder erkläre ihn kurz (Stil). Gliedere die Antwort übersichtlich mit kurzen Absätzen und einer einfachen Aufzählung und füge am Ende eine kurze Zusammenfassung hinzu (Format).

Varianten der Zielgruppe: Schüler mit Grundkenntnissen, Schüler ohne Vorkenntnisse, leistungsstarke Schüler, Lernanfänger, Schüler zur Wiederholung vor einer Schularbeit, Schüler zur Prüfungsvorbereitung, Schüler für Referate und Präsentationen.

Varianten der Länge: in 3 Sätzen, kurz und prägnant, kompakt, übersichtlich, ausführlich, Lernzettel-Länge, Zusammenfassung, Stichwortartig

Varianten des Stils: einfach und verständlich, schülergerecht, sachlich, ruhig erklärend, anschaulich mit Beispielen, alltagsnah, motivierend, mit kurzen Merksätzen, dialogorientiert, nicht belehrend, verständlich Schritt für Schritt.

Varianten des Formates: Fließtext, kurze Absätze, Stichpunkte, Aufzählung, Tabelle, Vergleichstabelle, Schritt-für-Schritt-Erklärung, Frage-Antwort-Format, Merksätze, Zusammenfassung am Ende, Überschriften und Zwischenüberschriften, Lernzettel, Spickzettel, Checkliste, Mindmap, Pro-/Contra-Liste, Beispiel + Erklärung, Definition + Beispiel, Quiz mit Lösungen, Rätsel, Übungsaufgaben mit Lösungsweg, Kurzvortrag, Dialogform, PDF oder PPT Ausgabe.

Varianten des Beschränkens: Erkläre nur die Grundlagen - keine Details, bleibe beim Thema - keine Abschweifungen, keine Fremdwörter ohne Erklärung, genau 5 Stichpunkte, eine Tabelle mit zwei Spalten, erst erklären, dann ein Beispiel, mit einem Merksatz abschließen, erfinde keine Informationen, gib Quellen an, weise auf Unsicherheiten hin.

Beschränkungen – sogenannte Constraints – bedeuten, dass du ChatGPT klare Grenzen setzt. So weiß der Chatbot genau, wie weit er gehen darf und wie die Antwort aussehen soll.

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Hilfe für dein Prompt Engineering

Ein guter Prompt entsteht nicht zufällig. Er braucht sprachliche Sicherheit, einen passenden Wortschatz, klare Gedanken – aber ebenso Kreativität, Fantasie und Ideenreichtum. Wer glaubt, man müsse all das bereits perfekt beherrschen, irrt: Diese Fähigkeiten lassen sich lernen und trainieren. Genau hier kommt Prompt Engineering ins Spiel. Es hilft, Gedanken zu ordnen, Fragen präzise zu formulieren und Ideen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Chatbots werden dabei nicht zu Denkmaschinen, sondern zu Trainingspartnern für Sprache und Denken. In einer Welt, in der Wissen jederzeit abrufbar ist, wird die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, immer wichtiger sein als das reine Auswendigwissen. Wer das beherrscht, nutzt digitale Werkzeuge klug – und stärkt zugleich seine Fähigkeiten in der analogen Welt. Jedoch kein Tool ersetzt dein eigenständiges Denken. Gute Prompt-Tools unterstützen beim Lernen, sie denken aber nicht für dich. Logik & Hausverstand sind durch nichts zu ersetzen.

Learn Prompting - Eine der bekanntesten kostenlosen Lernplattformen. Schrittweise Erklärungen, Beispiele und Übungen. 

PromptHero - Sammlung gut funktionierender Prompts. Ideal, um zu sehen, wie andere gute Fragen formulieren.

Neuroflash - Hilft dir bei der Erstellung eines sinnvollen Prompts

Prompt-Creator - Webseite mit vielen Features zum Thema Prompt

ChatGPT -  Auch der Chatbot selbst kann helfen, Prompts zu verbessern, z. B. mit Fragen wie: „Hilf mir, diesen Prompt klarer zu formulieren.“

Soziale Medien - Hier finden sich immer wieder Gruppen, die anschauliche Beispiele vorstellen. Lernen am Modell....

Gib Beispiele vor

Wenn ein eigener Prompt nicht zu den gewünschten Ergebnissen führt, hilft es oft, ChatGPT ein konkretes Beispiel als Muster, einen Anfang oder deine stichwortartigen Ideen vorzugeben. Das kann in Form einer genauen Beschreibung in Worten geschehen, es kann aber auch sinnvoll sein, eine passende Datei hochzuladen – etwa einen Text, ein Arbeitsblatt oder ein Beispiel aus dem Unterricht. Anhand dieses Musters erkennt der Chatbot besser, wie das Ergebnis aussehen soll. Struktur, Sprache und Tiefe lassen sich so gezielt nachahmen, und die Antworten werden deutlich treffsicherer.

Arbeiten in Projekten

Neben einzelnen Chats kannst du auch mit Projekten arbeiten. Das ist besonders dann hilfreich, wenn du dich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema beschäftigst – etwa bei einem Unterrichtsprojekt, einer Themenreihe, einer Vorbereitung oder einem eigenen Lernvorhaben. Ein Projekt funktioniert dabei wie ein gemeinsamer Arbeitsraum, in dem dein Ziel, deine Fragestellungen und bisherige Ergebnisse gesammelt bleiben.

Der große Vorteil: Du musst nicht jedes Mal neu erklären, worum es geht. Der Chatbot kennt den Zusammenhang, erinnert sich an frühere Zwischenschritte und kann dort ansetzen, wo du zuletzt aufgehört hast. So kannst du Inhalte weiterentwickeln, nachschärfen, vertiefen oder neu strukturieren, ohne immer wieder bei null zu beginnen. Das macht Projekte besonders geeignet für längere Denk- und Lernprozesse. Statt vieler einzelner, voneinander losgelöster Chats entsteht ein roter Faden – vergleichbar mit regelmäßigem Training, bei dem jede Einheit auf der vorherigen aufbaut.

Schrittweise arbeiten (Iteration), nachfragen und nachschärfen

Iteration bedeutet, dass du Schritt für Schritt arbeitest und ein Ergebnis in mehreren Runden verbesserst. Statt gleich die perfekte Lösung zu verlangen, beginnst du bewusst grob und näherst dich dem Ziel nach und nach an. Genau so funktioniert sinnvolles Arbeiten mit einem Chatbot.

Du startest mit einer ersten Frage oder Aufgabe, schaust dir die Antwort an und gibst anschließend gezielt Rückmeldung. Du kannst nachfragen, Dinge nachschärfen, vereinfachen oder vertiefen. Das ist einer der größten Vorteile eines Chatbots: Er arbeitet im Dialog mit dir und passt sich laufend an deine Rückmeldungen an. 

Dabei helfen ganz konkrete AnweisungenErkläre das einfacher, gib mir mehr Details zum letzten Punkt, dazu ein Beispiel, fasse das in drei kurzen Sätzen zusammen, erkläre Schritt für Schritt, zeig mir die Unterschiede in einer Tabelle, überarbeite den Text, aber behalte den Inhalt bei, erkläre das noch einmal mit anderen Worten, was habe ich daran noch nicht verstanden, stell mir eine Kontrollfrage zu diesem Thema.

Du musst also nicht von Anfang an die perfekte, große Frage stellen. Entscheidend ist, dass du dranbleibst, gezielt nachfragst und deine Anforderungen Schritt für Schritt präzisierst. Gute Ergebnisse entstehen nicht durch eine einzelne Frage, sondern durch Nachschärfen, Weiterdenken und aktives Mitgestalten des Dialogs.

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Eigene Unterlagen nutzen

ChatGPT wird besonders hilfreich, wenn du nicht nur allgemeine Fragen stellst, sondern auch deine eigenen Texte, Notizen oder Dateien einbindest. Moderne Chatbots sind nicht mehr nur auf Texteingaben beschränkt. Man nennt diese Fähigkeit Multimodalität, er kann hochgelande Bilder und Dokumente analysieren, erkennt deine Handschrift und sogar im aktiven Videomodus in Echtzeit mit dir agieren.

So kann der Chatbot genau mit dem arbeiten, was du bereits hast, und dir gezielt weiterhelfen. Das ist vor allem dann praktisch, wenn du vorhandene Inhalte verbessern, zusammenfassen, umformulieren oder für einen neuen Zweck aufbereiten möchtest – zum Beispiel für ein Referat, einen Lernzettel oder eine Schularbeit. Je mehr Kontext du lieferst, desto besser passen die maßgeschneiderten Ergebnisse zu deinen Bedürfnissen.

Beispiele: Wandle dieses YouTube-Transkript in ein Arbeitsblatt mit Verständnisfragen und Lösungen um. Fasse diese Ebookseite verständlich zusammen und kürze den Inhalt auf 100 Wörter. Korrigiere meinen Text, erkläre meine Fehler und erstelle passende Übungsaufgaben dazu. Finde den Fehler in meinem Rechenweg und erkläre Schritt für Schritt, was falsch gelaufen ist. Schau dir das Bild oder den Text an und erkläre mir den Inhalt einfacher und verständlicher, am besten mit einem passenden Beispiel.

Englisch statt Deutsch

Prompts funktionieren häufig auf Englisch etwas besser als auf Deutsch. Das liegt daran, dass viele KI-Modelle ursprünglich mit sehr vielen englischen Texten trainiert wurden. Dadurch erkennt die KI englische Formulierungen, Nuancen und Befehle oft schneller und präziser. Es kann durchaus sinnvoll sein, deutsche Prompts ins Englische zu übersetzen und diese dem Chatbot zu geben. In manchen Fällen reagiert die KI auf englische Anweisungen präziser, besonders bei komplexen Aufgaben oder sehr strukturierten Vorgaben.

Wichtig ist dabei jedoch: Nicht einfach wörtlich übersetzen. Gute englische Prompts sind meist klar, aktiv formuliert und folgen festen Mustern. Eine schlechte Übersetzung bringt keinen Vorteil.  DeepL und Google Übsersetzer liefern hier sehr brauchbare Ergebnisse.

GPTs erkunden - selbst definieren

Für dich sind vor allem thematisch spezialisierte GPTs interessant. Besonders hilfreich sind Erklär-GPTs, die Inhalte strukturiert, verständlich und auf unterschiedlichen Niveaus darstellen können. Du kannst sie nutzen, um Stoff aufzubereiten, alternative Erklärungen zu finden oder komplexe Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Gerade für Mathematik sind Mathe-GPTs sehr wertvoll. Sie können Rechenwege Schritt für Schritt erklären, typische Fehler aufzeigen, Aufgaben variieren und gezielt Übungsbeispiele erstellen. Wichtig dabei: nicht nur das Ergebnis liefern lassen, sondern dir den Gedankengang erklären lassen – genau dort entsteht Lerngewinn.

Sehr praktisch sind auch Text- und Feedback-GPTs. Sie helfen dir beim Überarbeiten von Texten, beim Analysieren typischer Fehler oder beim Formulieren von Rückmeldungen. So bekommst du schneller eine fundierte Einschätzung, ohne selbst alles von Grund auf neu schreiben zu müssen. Ein weiterer sinnvoller Typ sind Übungs- und Prüfungs-GPTs, die Aufgaben generieren, Lernfragen stellen oder Wissen überprüfen – in Mathematik genauso wie in anderen Fächern. Du kannst Schwierigkeitsgrade anpassen, gezielt Themen trainieren oder dich selbst abfragen lassen.

Besonders spannend ist jedoch die Möglichkeit, eigene GPTs zu erstellen. Dabei legst du selbst fest, welche Rolle der GPT einnimmt, wie er erklärt, welches Fach- und Sprachniveau er nutzt und welche Grenzen gelten. So entsteht ein persönlicher Lern- oder Arbeits-GPT, der genau zu deinem Stil passt – wie ein gut trainierter Begleiter, der weiß, wann er erklärt, wann er nachfragt und wann er dich selbst denken lässt.

Lass andere Chatbots dein Ergebnis überprüfen

Ein weiterer sinnvoller Schritt ist, Ergebnisse von anderen Chatbots gegenprüfen zu lassen. So wie man Informationen aus dem Internet nicht nur aus einer einzigen Quelle bezieht, kann es hilfreich sein, eine Antwort von mehreren KI-Systemen vergleichen zu lassen. Unterschiede in Formulierungen, Schwerpunkten oder Erklärungen zeigen oft, wo etwas unklar ist oder wo nachgeschärft werden sollte. Du kannst dafür denselben Prompt zum Beispiel auch an Google Gemini, Claude oder Perplexity stellen und die Ergebnisse vergleichen. Stimmen die Kernaussagen überein, ist das ein gutes Zeichen. Weichen sie stark voneinander ab, lohnt es sich, genauer hinzusehen und kritisch nachzufragen.

So lernst du nicht nur Inhalte besser zu beurteilen, sondern trainierst auch eine wichtige Fähigkeit: kritisches Denken. Chatbots sind hilfreiche Werkzeuge – die Verantwortung für das Prüfen und Verstehen bleibt aber immer bei dir.

Einen Text neu schreiben

Es gibt viele Wege, um sich schlauer zu machen. Manchmal hilft schon eine andere Formulierung, eine passendere Wortwahl oder ein neuer Blickwinkel auf ein Thema. Probiere diese Prompts aus und lass dir die Texte – wenn möglich – vorlesen. Sollte dein Chatbot diese Funktion nicht unterstützen, gibt es technische Möglichkeiten auf deinem Smartphone  oder Webseiten ( Luvvoice, Speechify, NaturalReader, TTSReader, TTSFree...) , die Texte für dich vorlesen. So kannst du Inhalte nicht nur lesen, sondern auch hören – das hilft vielen beim besseren Verstehen und Merken.

Wenn du einen Text komplett neu denken möchtest, kannst du ChatGPT zum Beispiel so ansprechen:
„Nimm die zentrale Aussage des folgenden Textes und schreibe ihn vollständig neu. Verwende einen anderen Aufbau, neue Beispiele, einen veränderten Tonfall und eine neue Perspektive. Die Botschaft soll gleich bleiben, der Text sich aber so lesen, als stamme er von einer anderen Person mit eigener Stimme.“

Um gezielt mit Stil zu arbeiten, hilft dieser Prompt: „Analysiere zuerst den Schreibstil des Textes (z. B. sachlich oder emotional, formell oder locker). Formuliere den Inhalt anschließend komplett neu im gegenteiligen Stil und zeige kurz, welche Stilelemente du bewusst verändert hast.“

Soll ein Text für eine andere Zielgruppe passen, kannst du so vorgehen: „Schreibe den folgenden Text neu für eine andere Zielgruppe, zum Beispiel Jugendliche, Führungskräfte oder Seniorinnen und Senioren. Passe Sprache, Beispiele und Bezugspunkte so an, dass sich diese Zielgruppe direkt angesprochen fühlt.“

Wenn du den Einstieg verändern willst, eignet sich dieser Prompt: „Schreibe den Text neu und beginne mit einem völlig anderen Einstieg. Ersetze den bisherigen Anfang bewusst durch einen neuen Typ von Einstieg und baue den gesamten Text logisch um diesen neuen Start herum auf.“

Für einen Perspektivenwechsel kannst du formulieren: „Erzähle den Inhalt des Textes aus einer anderen Perspektive neu, zum Beispiel statt aus der Ich-Form aus der Beobachterrolle, statt problemorientiert lösungsorientiert oder mit Blick in die Zukunft statt in die Vergangenheit.“

Möchtest du das Format verändern, hilft folgende Anweisung: „Transformiere den Text in ein anderes Format, zum Beispiel von einem Fließtext in eine Geschichte, von einer Anleitung in einen Dialog oder von einer Liste in eine zusammenhängende Erzählung. Die Informationen sollen gleich bleiben.“

Und wenn du mit Emotionen spielen willst, kannst du schreiben: „Formuliere den Text mit einem deutlich anderen emotionalen Unterton neu, zum Beispiel humorvoll statt ernst, provokant statt motivierend oder dramatisch statt sachlich.“

Mensch vor Maschine

So hilfreich generative KI auch ist – menschlicher Hausverstand, Logik und kritisches Denken stehen immer an erster Stelle. Kein Chatbot kann dir das Denken abnehmen. Er kann unterstützen, erklären, strukturieren und neue Perspektiven eröffnen, doch die Verantwortung für das Verstehen, Bewerten und Entscheiden bleibt bei dir. Hilfe anzunehmen ist dabei kein Zeichen von Schwäche. Noch ist kein Meister vom Himmel gefallen – Übung, Ausprobieren und Dranbleiben machen den Unterschied. Genau wie beim Hundetraining braucht es Beschäftigung, Geduld und unterschiedliche Wege, um ans Ziel zu kommen. Jeder Chatbot tickt ein wenig anders, jedes Sprachmodell hat eigene Stärken und Schwächen. Wer das versteht, kann sie gezielt nutzen.

Die digitale Welt ist kein Ersatz für menschliche Fähigkeiten, sondern ein Veränderungspotenzial. Richtig eingesetzt bietet KI neue Chancen, mehr Chancengleichheit und Unterstützung beim Lernen – für alle. Angst ist dabei kein guter Ratgeber. Neugier, Verantwortung und ein wacher Geist hingegen schon. Generative KI ist ein Werkzeug. Wie gut es wirkt, hängt davon ab, wie bewusst wir es einsetzen.