Choose wisely
Worte, die bleiben...
Wer im Internet nach Zitaten sucht, findet Millionen davon. Die klügsten Worte stammen angeblich von berühmten Philosophen, Wissenschaftlern, Schriftstellern oder erfolgreichen Unternehmern. Ihre Sprüche werden geteilt, gelikt und auf Poster gedruckt. Doch wenn ich ehrlich bin, stammen einige der wichtigsten Lebensweisheiten meines Lebens nicht von berühmten Persönlichkeiten. Sie kamen von Menschen, die nie ein Buch geschrieben haben, nie in einer Fernsehsendung aufgetreten sind und deren Namen außerhalb der Familie kaum jemand kennt.
Meine Tante Trude und meine Mutter gehörten zu diesen Menschen. Sie hatten keine akademischen Titel, keine Social-Media-Kanäle und keine große Bühne. Trotzdem gaben sie mir Gedanken mit auf den Weg, die mich bis heute begleiten. Oft waren es einfache Sätze, ausgesprochen beim Mittagessen, bei der Gartenarbeit oder während eines ganz gewöhnlichen Gesprächs. Damals wirkten sie manchmal unspektakulär. Erst Jahre später verstand ich, wie viel Lebenserfahrung darin steckte.
Heute wachsen junge Menschen in einer Welt auf, die schneller, lauter und oft auch hektischer geworden ist. Täglich prasseln Nachrichten, Videos, Trends und Meinungen auf sie ein. Gerade deshalb können einfache Lebensweisheiten Orientierung geben. Sie ersetzen keine eigenen Erfahrungen, helfen aber dabei, den eigenen Weg zu finden.
Zitate und Gedanken, die mich im Leben geleitet haben
Sei du selbst. Alle anderen gibt es schon.
Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Der zweitbeste ist heute.
Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern.
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest.
Vergleiche dich nicht mit anderen. Vergleiche dich mit der Person, die du gestern warst.
Wissen ist das Einzige, das mehr wird, wenn man es teilt.
Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen.
Nur wer an Wunder glaubt, wird Wunder erleben.
Gib niemals auf – höchstens einen Brief.
Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.
Es ist immer Zeit für einen neuen Anfang.
Die Wertschätzung eines Menschen ist ein Danke in Form eines Lächelns.
Lass dir dein Leuchten nicht nehmen, nur weil es andere blendet.
Wertschätzung braucht entsprechendes Verhalten. Worte allein drücken sie nicht aus.
Es ist wertvoller, stets den Respekt der Menschen, als gelegentlich ihre Bewunderung zu haben.
Am Ende bereuen wir meist nicht die Dinge, die wir getan haben, sondern die Dinge, die wir nicht getan haben.
Wenn jemand sagt: „Das geht nicht!“ Dann sind das seine Grenzen, nicht deine!
Wissen gibt Macht, aber der Charakter verschafft Respekt und Anerkennung.
Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, sucht Gründe.
Kein Grund zu bleiben ist ein guter Grund zu gehen.
Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.
Respekt ist einer der größten Schätze des Lebens. Ich meine, was bedeutet das alles, wenn man das nicht hat?
Manchmal muss man am Ende stehen, um den Anfang zu sehen
Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln
Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.
Kein Mensch tritt ohne Grund in dein Leben: Der eine ist ein Geschenk, der andere ist eine Lektion.
Lasse das Verhalten anderer nicht deinen inneren Frieden stören.
Wer alles mit einem Lächeln beginnt, dem wird das Meiste gelingen.
Lernen ist Erfahrung, alles andere ist einfach nur Information.
Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Erzähle den Menschen nicht von deinen Fähigkeiten. Zeige sie ihnen.
Man wird nicht dadurch besser, dass man andere schlechtmacht.
Wir erben die Erde nicht von unseren Vorfahren, wir leihen sie von unseren Kindern.
Viele Chancen kommen nur einmal. Nicht jeder Versuch gelingt. Doch oft schmerzt das Versäumte länger als das Misslungene.
Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.
Die familäre Weisheit
Wenn ich heute an die vielen berühmten Zitate denke, fällt mir oft eine Lebensweisheit meiner Mama & Tante Trude ein. Sie sagte sinngemäß: „Bleib nie dort, wo du ständig um Wertschätzung kämpfen musst. Suche die Menschen und Orte, an denen dein Einsatz und du als Mensch gesehen wird.“ Schau auf dich - pass auf dich auf - waren die letzen Worte meiner Mutter an mich. Eingeprägt - in die Seele und Herz tätowiert.
Damals verstand ich den wahren Sinn dieses Satz nicht gänzlich, heute erscheint er mir wichtiger denn je. Wertschätzung, Vertrauen, Respekt, Handschlagqualität, Wortgeben und Ehrlichkeit sind keine Nebensächlichkeiten. Sie sind das Fundament jeder Freundschaft, jeder Familie, jeder Schule und jedes Arbeitsplatzes. Nach 35 Jahren verlasse ich "meine" Schule nicht leicht oder gar leichtfertig, jedoch Selbstschutz & innerer Frieden haben große Bedeutung im Leben bekommen. Ich wünsche mir daher, meine letzten Berufsjahre mit Freude, Motivation und in einem wertschätzenden Umfeld im Klassenzimmer einer neuen Schule verbringen zu können.

Vielleicht sind es genau diese einfachen Gedanken, die uns ein Leben lang begleiten. Nicht weil sie berühmt wurden, sondern weil sie wahr & ehrlich sind. Und manchmal findet man die größten Lebensweisheiten eben nicht in Büchern oder im Internet, sondern am Küchentisch bei Menschen, die es gut mit uns meinen.

Der ganze Text
Die Würde des Menschen muss immer gewahrt bleiben. Gerade auch im Alter. Es ist furchtbar traurig, wenn Weggefährten sterben. Da hat man vorher noch gemeinsam Geburtstage gefeiert oder bei den Kaffeetreffs miteinander geplaudert. Wenn ich dann bei den Zimmertüren vorbei komme, wo sie zu Lebzeiten gewohnt haben, bricht es mir jedesmal fast das Herz. Zu sehen und sich damit abzufinden, dass liebe Menschen gehen, macht das Altsein so unfassbar traurig.
Viele Alte wollen nicht auf das Sterben angesprochen werden. Ich lege den Fokus auf meine Familie. Auf die vielen schönen Erinnerungen. Wenn mir Begebenheiten von früher einfallen, kann ich mich sofort in die Situation hineinversetzen. Zum Beispiel meine ich, die Menschen dann direkt vor mir zu sehen oder auch zu wissen, was gesprochen wurde. Meine Erinnerungen machen das Vergangene so lebendig. Für mein Empfinden ist die Welt von heute eine ganz andere. Ich merke, dass ich bei vielem nicht mehr mitgezogen bin, dass ich Dinge – ja, den Anschluss versäumt habe. Ich weiß nicht, ob das typisch fürs Altwerden ist. Jedenfalls habe ich inzwischen beschlossen, die Dinge so weiter zu machen, wie ich sie kenne und gelernt habe. Das gibt mir Orientierung.
Ich genieße es sehr, bei bestimmten Anlässen im Kreise meiner Familie zu sein. Ich habe drei Kinder, eines ist mir verstorben – mit 24 Jahren! Meine drei Enkerln Maxi, Michi und Ulrike kommen immer zu mir, wenn sie einen Rat brauchen. Ich habe sogar schon vier Urenkerln. Was ich im Leben bereue? Da fällt mir nichts ein. Allerdings finde ich es schade, dass ich nicht mehr zum Reisen gekommen bin. Nach Amerika zum Beispiel. Ein einziges Mal habe ich meine jüngere Schwester besucht. Sie lebt in New York. Der Hinflug war wunderschön und ganz besonders aufregend. Ich durfte nämlich kurz ins Cockpit kommen. Mein Schwiegersohn ist Pilot und er konnte genau an diesem Tag diesen Flug übernehmen.
Wir waren damals 13 Kinder im Haus meiner Großeltern. Da hat es sich ordentlich abgespielt. Wir hatten eine schöne, große Wohnküche. Beim Ofen war ein gesticktes Deckerl, auf dem eine Frau mit Schürze und Kochlöffel abgebildet war. Darüber war folgender Spruch zu lesen: „Mein guter Mann, das wirst du wissen, bei wenig Geld, gibt’s schmale Bissen“. Während wir Kinder mit riesen Hunger warteten, bis das Essen auf den Tisch kam, haben wir immer wieder diesen Spruch aufgesagt und auswendig gelernt. Irgendwann auch rückwärts. Das kann ich sogar heute noch.
Morgens esse ich ein Butterbrot mit Marmelade. Dazu gibts einen Kaffee. Mein Frühstück mache ich mir immer selber. Dafür brauche ich beim Duschen und Anziehen ein wenig Hilfe. Aber ich habe ja genug Zeit. Zum Glück schlafe ich sehr gut. Wenn ich morgens aufwache, öffne ich gerne das Fenster und höre den Vogerln zu. Diesen Augenblick genieße ich sehr. Dann sehe ich mir die Nachrichten am Fernseher an. Mit der Betonung auf Sehen. Was gesagt wird, höre ich schlecht. Meine Eltern hatten eine Bäckerei in Mödling. Was kaum wer weiß: Mein Onkel war der Franz Rühm, der erste Fernsehkoch im ORF. Der hat ein Haus gekauft, wo mein Vater eine Bäckerei eingerichtet hat. Während des Krieges hat sich dort leider die SS breit gemacht. Das war so eine fürchterliche Zeit. Ich sage Ihnen: In Friedenszeiten zu leben, ist etwas so unglaublich Wertvolles.
Danke für das Interview (Daniela Jasch) und das tolle Foto (Sabine Schwarz).