Facharbeitermangel vs. fehlender Lehrlingsausbildung

Fachkräfte gesucht – aber keine Lehrstelle ausgeschrieben
Pressemitteilung vom 21.9.2026: Österreich sucht dringend Fachkräfte. Gleichzeitig suchen allein in Niederösterreich mehr als 1.800 Jugendliche einen Ausbildungsplatz, während nur rund 800 freie Lehrstellen gemeldet sind. In Wien ist es noch schlimmer: Rund 5.000 Lehrstellensuchenden stehen derzeit nur etwa 500 offene Stellen gegenüber. Radiomitschnitt - Ö3 - September 2026.
Wie kann das zusammenpassen? Warum fehlen Elektriker, Köche oder Techniker, wenn Jugendliche arbeiten wollen? Und was bedeutet das für dich, wenn du gerade im Poly sitzt und eine Lehrstelle suchst? Wie kann das zusammenpassen? Warum fehlen Elektriker, Köche oder Techniker, wenn Jugendliche arbeiten wollen? Und was bedeutet das für dich, wenn du gerade im Poly sitzt und eine Lehrstelle suchst?

Irgendetwas passt da nicht zusammen
Du hörst es ständig: „Wir finden keine Fachkräfte.“ Unternehmen suchen Elektrotechniker, Installateure, Metalltechniker, Köche, Mitarbeiter im Tourismus und viele andere gut ausgebildete Menschen. Gleichzeitig suchen Jugendliche teilweise monatelang nach einer Lehrstelle. Das klingt zunächst völlig unlogisch. Wenn so viele Fachkräfte fehlen, müsste es doch für jeden Jugendlichen sofort eine Lehrstelle geben. Ganz so einfach ist es leider nicht.
Ein Betrieb, der heute dringend einen ausgebildeten Elektrotechniker sucht, braucht jemanden, der möglichst schnell selbstständig arbeiten kann. Ein Lehrling kann das noch nicht. Er muss erst ausgebildet werden. Jemand muss ihm etwas zeigen, erklären, kontrollieren und ihn Schritt für Schritt an den Beruf heranführen. Genau dafür gibt es eigentlich eine Lehre. Ein Lehrling ist schließlich kein fertiger Mitarbeiter.

Woher sollen die Fachkräfte kommen...
Und genau hier beginnt ein ziemlich großes Problem. Wenn ein Betrieb heute sagt: „Wir können uns gerade keinen Lehrling leisten“, kann das kurzfristig verständlich sein. Ausbildung kostet Zeit und Geld. Gerade kleine Unternehmen müssen genau rechnen. Aber was passiert drei oder vier Jahre später?
Dann sucht derselbe Betrieb möglicherweise verzweifelt einen ausgebildeten Facharbeiter. Nur: Wo soll dieser plötzlich herkommen? Ein Elektrotechniker entsteht nicht über Nacht. Ein Installateur wird nicht innerhalb von drei Wochen ausgebildet. Auch ein Koch, Metalltechniker oder Mechatroniker muss seinen Beruf erst lernen. Die Fachkraft, die ein Unternehmen im Jahr 2030 braucht, müsste vielleicht heute ihre Lehre beginnen.
Wer heute nicht ausbildet, darf sich deshalb morgen nicht wundern, wenn die Fachkräfte fehlen. Das ist vielleicht einer der größten Denkfehler unserer derzeitigen Diskussion über den Fachkräftemangel. Wir versuchen ein Problem zu lösen, das wir zum Teil einige Jahre vorher selbst entstehen lassen.

Warum bilden Betriebe trotzdem weniger aus...
Man sollte es sich aber nicht zu einfach machen und sofort auf die Unternehmen zeigen. Gerade kleine Betriebe haben es nicht leicht. Ein großer Konzern kann eine eigene Lehrwerkstätte haben, mehrere Ausbilder beschäftigen und viele Jugendliche gleichzeitig ausbilden.
Ein Elektriker mit fünf oder sechs Mitarbeitern (EPU & Freelancer liegen im Trend der Zeit) kann das nicht. Wenn alle Mitarbeiter ständig auf Baustellen unterwegs sind, muss trotzdem jemand Zeit haben, einem 15-Jährigen etwas beizubringen. Dazu kommen Lohnkosten, Bürokratie und die Frage, wie viele Aufträge der Betrieb in einem oder zwei Jahren überhaupt haben wird.
Aus Sicht eines einzelnen Unternehmens kann es deshalb kurzfristig vernünftig erscheinen, keinen zusätzlichen Lehrling aufzunehmen. Für ein ganzes Land kann genau diese Entscheidung aber langfristig zum Problem werden. Das ist der Unterschied zwischen kurzfristigem Denken und langfristiger Planung.

Nicht jede Lehrstelle passt zu jedem Jugendlichen
Dazu kommt noch etwas anderes. Jugendliche wollen nicht automatisch jene Berufe lernen, in denen gerade Stellen frei sind. Besonders beliebt sind beispielsweise Fahrzeugtechnik, Einzelhandel oder Büro. Gleichzeitig gibt es viele freie Stellen in der Gastronomie oder in technischen Berufen wie Elektrotechnik. Das bedeutet aber nicht, dass man einfach sagen kann: „Dann geh halt in die Gastro.“
Ein Beruf begleitet dich schließlich viele Jahre. Trotzdem solltest du dich fragen, ob du vielleicht zu eng suchst. Wenn du Autos interessant findest, könnte dir vielleicht auch Nutzfahrzeugtechnik, Mechatronik, Metalltechnik oder Elektrotechnik gefallen. Wenn du gerne im Büro arbeiten möchtest, könnten Handel, Logistik oder E-Commerce ebenfalls interessant sein. Flexibel sein bedeutet nicht, irgendeinen Beruf nehmen zu müssen.
Flexibel sein bedeutet, mehrere Möglichkeiten kennenzulernen, bevor du sie ausschließt.
Eine Lehrstelle kann auch 80 Kilometer entfernt sein
Auch der Wohnort spielt eine riesige Rolle. Niederösterreich ist groß. Wenn irgendwo in Amstetten eine Lehrstelle frei ist, hilft das einem Jugendlichen aus Baden oder Wiener Neustadt nur wenig. Mit 15 hast du normalerweise noch keinen Führerschein und kein Auto. Dann entscheidet plötzlich der Busfahrplan darüber, ob du eine Lehrstelle annehmen kannst.
Wenn deine Arbeit um 6.30 Uhr beginnt und der erste Bus um 7 Uhr fährt, existiert diese Lehrstelle für dich eigentlich nur auf dem Papier. Auch das gehört zur Wahrheit hinter den Statistiken. Es gibt nicht einfach „800 Lehrstellen“. Es gibt Lehrstellen in bestimmten Berufen, an bestimmten Orten und mit bestimmten Arbeitszeiten. Und diese müssen zu einem Jugendlichen passen.

Was bedeutet das für dich im Poly...
Vor allem eines: Warte nicht bis zum Frühjahr. Die Lehrstellensuche beginnt eigentlich schon im ersten Semester. Schau dir Betriebe an. Geh schnuppern. Sprich mit Menschen, die diesen Beruf bereits ausüben. Stell Fragen. Probiere verschiedene Bereiche aus. Vielleicht glaubst du heute, dass nur Fahrzeugtechnik zu dir passt, und stellst beim Schnuppern fest, dass dir Elektrotechnik sogar besser gefällt. Genau dafür ist Berufsorientierung da. Nicht damit dir jemand sagt, was du werden sollst. Sondern damit du herausfindest, was zu dir passen könnte.
Schnuppern ist eigentlich schon ein Bewerbungsgespräch
Viele Jugendliche unterschätzen Schnuppertage. Sie denken: „Ich schaue mir den Betrieb halt einmal an.“ Der Betrieb schaut sich aber gleichzeitig dich an. Kommst du pünktlich? Grüßt du? Stellst du Fragen? Interessierst du dich dafür, was die Mitarbeiter machen? Probierst du eine Aufgabe auch dann, wenn du sie nicht sofort kannst? Oder stehst du herum und schaust auf dein Handy? Dafür gibt es keine Schulnote.
Trotzdem kann genau das darüber entscheiden, ob jemand später sagt: „Den Jugendlichen könnten wir uns als Lehrling vorstellen.“ Ein Schnuppertag kann deshalb bereits der Anfang deiner Bewerbung sein.

Was musst du mit 15 eigentlich können...
Du musst noch kein fertiger Facharbeiter sein. Sonst bräuchtest du schließlich keine Lehre. Aber einige Dinge erwarten Betriebe zu Recht.
Du solltest pünktlich sein - nein du musst es. "Sollte" reicht heute nicht mehr - Punkt. Du musst zuhören können. Wenn du etwas nicht verstanden hast, musst du fragen. Du musst versuchen, eine Aufgabe zu lösen, bevor du aufgibst. Alte Werte liegen voll im Trend. Du musst einfache Texte lesen und verstehen können. Du musst grundlegende Rechnungen schaffen und mit Geld, Prozenten und Größen umgehen können.
Und du solltest lernen, Verantwortung zu übernehmen. In der Schule kannst du vielleicht noch sagen: „Ich habe meine Sachen vergessen.“ In der Arbeitswelt wird daraus: „Ich bin dafür verantwortlich, meine Sachen dabeizuhaben.“ Das klingt unspektakulär. Aber genau solche Dinge sind in einem Betrieb enorm wichtig.

Digitale Kompetenzen gehören heute einfach dazu
Natürlich verändert KI die Arbeitswelt. Aber digitale Kompetenz bedeutet heute viel mehr als nur ChatGPT oder Copilot bedienen zu können. Du solltest mit einem Computer sicher umgehen können, Dateien sinnvoll speichern und wiederfinden, E-Mails schreiben, Dokumente erstellen, mit Cloud-Diensten arbeiten und Informationen im Internet beurteilen können. Dazu gehört auch, Passwörter sicher zu verwenden, Phishing zu erkennen und nicht jeden Link oder jede Nachricht ungeprüft anzuklicken.
In vielen Berufen gehört digitale Technik längst zum normalen Arbeitsalltag. Ein Elektrotechniker arbeitet mit Messgeräten, digitalen Plänen und Steuerungen. Ein Mechaniker liest Fehler über Diagnosesysteme aus. In der Gastronomie werden Bestellungen, Lager und Abrechnungen digital verwaltet. Im Handel gehören Warenwirtschaft, Scanner und Online-Bestellungen dazu. Selbst in klassischen Handwerksberufen werden Arbeitszeiten, Aufträge, Pläne oder Materialbestellungen immer häufiger digital organisiert.
Und dann kommt natürlich KI dazu. ChatGPT, Copilot und andere KI-Werkzeuge können dir etwas erklären, Texte verbessern, Ideen liefern, Fehler suchen oder beim Lernen helfen. Richtig eingesetzt sind sie starke Werkzeuge. Aber ein Werkzeug ersetzt nicht den Menschen, der damit arbeitet. Du musst beurteilen können, ob eine Antwort stimmt. Du musst erkennen, ob ein Ergebnis sinnvoll ist. Du solltest wissen, welche Informationen du einer KI geben darfst und welche besser nicht. Und du musst auch ohne KI noch verstehen, was du eigentlich tust.
Ein Elektrotechniker kann sich eine Formel erklären lassen. Er muss trotzdem wissen, ob das Ergebnis zur Realität passt. Ein Mechaniker kann eine Fehlermeldung von einer KI analysieren lassen. Er muss trotzdem entscheiden, welche Reparatur tatsächlich notwendig ist. Die wichtigste digitale Fähigkeit der Zukunft könnte deshalb gar nicht sein, möglichst viele Programme bedienen zu können.
Sie lautet: digitale Werkzeuge nutzen – aber selbst denken, prüfen und entscheiden.
Wer Technik beherrscht, Informationen beurteilen kann und KI sinnvoll einsetzt, hat in beinahe jedem Beruf einen Vorteil. Ein Elektrotechniker kann eine KI nach einer Formel fragen. Er muss trotzdem erkennen können, ob das Ergebnis überhaupt sinnvoll ist. Ein Installateur kann sich einen Fehler erklären lassen. Reparieren muss er die Anlage am Ende trotzdem selbst. Er muss nicht glauben zu wissen, sondern lernen zu verstehen um sinnvoll zu arbeiten.
Lernen lernen – weil kein Beruf stehen bleibt
Vielleicht ist das sogar die wichtigste Fähigkeit für deine Zukunft: Lernen zu können - zu wollen. Lernen nicht als Belastung zu sehen, sondern die Freude sich schlauer zu machen.
Denn mit dem Ende der Schule ist das Lernen nicht vorbei. Im Gegenteil: Es beginnt eine neue Form davon. Berufe verändern sich ständig. Neue Maschinen kommen, neue Software, neue Vorschriften, neue Materialien und neue Technologien. Was du heute lernst, kann in zehn Jahren schon ganz anders aussehen. Ein Elektrotechniker muss sich heute mit Photovoltaik, Smart Home, Speichersystemen und digitaler Steuerung beschäftigen. Ein Mechaniker arbeitet längst mit Software und Diagnosesystemen. Im Handel verändern Online-Shops, digitale Warenwirtschaft und KI die Abläufe. Auch in Gastronomie, Pflege, Bau oder Büro kommen ständig neue Programme und Arbeitsweisen dazu. Deshalb reicht es nicht, einmal etwas zu lernen und dann 40 Jahre lang genau so weiterzuarbeiten.
Du musst bereit sein, dich immer wieder weiterzubilden.Neue Dinge ausprobieren. Fragen stellen. Kurse besuchen. Anleitungen lesen. Videos anschauen. Kollegen um Hilfe bitten. Mit neuen Programmen umgehen lernen. Und auch einmal akzeptieren, dass etwas, das du jahrelang gemacht hast, plötzlich anders funktioniert. Diese Bereitschaft wird immer wichtiger. Denn wenn du heute 15 bist, wirst du wahrscheinlich in 20, 30 oder sogar 40 Jahren noch arbeiten. Und niemand kann dir heute genau sagen, wie diese Arbeitswelt aussehen wird. Es wird in naher Zukunft Berufe geben, deren Namen wir heute noch gar nicht kennen. Vor 30 Jahren hätte kaum jemand von Social-Media-Managern, App-Entwicklern, Cloud-Administratoren, Drohnenpiloten oder KI-Spezialisten gesprochen. Heute sind solche Tätigkeiten ganz normal. In 20 Jahren wird es wahrscheinlich genauso sein. Darum ist es gar nicht entscheidend, heute schon alles zu können. Viel wichtiger ist: Du musst lernen können, Neues zu lernen.
Wer neugierig bleibt, sich weiterbildet und keine Angst vor Veränderungen hat, wird auch dann Chancen haben, wenn sich Berufe verändern oder ganz neue entstehen.

Die Jugendlichen sind das eigentliche Problem..
Nein. Diese Erklärung wäre viel zu einfach. Auch die Unternehmen müssen sich etwas fragen. Wie behandeln wir Jugendliche, die schnuppern kommen? Antworten wir auf Bewerbungen? Erklären wir jungen Menschen, warum unser Beruf interessant ist? Geben wir auch jemandem eine Chance, dessen Zeugnis nicht perfekt ist? Und vor allem: Was erwarten wir eigentlich von einem 15-Jährigen?
Wenn ein Betrieb einen Jugendlichen sucht, der bereits perfekt rechnen kann, technisch geschickt ist, immer selbstständig arbeitet, hervorragend kommuniziert und möglichst schon Berufserfahrung hat, läuft ebenfalls etwas falsch. Denn eine Lehrstelle heißt nicht zufällig Lehrstelle. Dort soll etwas gelehrt werden. Ausbildung bedeutet nicht, einen fertigen Mitarbeiter auszusuchen. Ausbildung bedeutet, aus einem Jugendlichen Schritt für Schritt einen Facharbeiter zu machen.
Die Frage „Was willst du einmal werden?“ hören junge Menschen ständig. Eigentlich ist sie unsinnig, denn jeder Mensch ist bereits jemand. Viel sinnvoller wäre die Frage: „Was möchtest du später tun – und was möchtest du mit deiner Arbeit anderen Menschen geben?“

Die Schule kann sich aber auch nicht zurücklehnen...
Genauso wenig kann die Schule sagen: „Das müssen dann die Betriebe erledigen.“ Im Poly geht es deshalb um mehr als Mathematik, Deutsch oder Fachkunde. Es geht um den Wechsel zwischen Schule und Arbeitswelt. Aus „Der Lehrer erinnert mich daran“ sollte langsam „Ich denke selbst daran“ werden. Aus „Ich kann das nicht“ sollte vielleicht „Zeig mir, wie es geht“ werden. Und aus „Das interessiert mich nicht“ könnte zumindest „Ich probiere es einmal aus“ werden. Genau diese Entwicklung ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Aufgaben eines Polytechnischen Lehrgangs.
Eine Servicewüste droht durch den Facharbeitermangel...
Und jetzt kommt die größere Frage. Was passiert eigentlich, wenn wir immer weniger Menschen in praktischen Berufen ausbilden? Wer repariert in zehn Jahren unsere Heizung? Wer installiert die Photovoltaikanlage? Wer wartet das Auto? Wer repariert die Wasserleitung? Wer kümmert sich um Maschinen? Wer arbeitet in Hotels und Restaurants?
Viele dieser Tätigkeiten kann man nicht einfach ins Ausland verlagern. Und auch KI wird nicht alles erledigen. ChatGPT kann dir erklären, warum deine Wasserleitung tropft. Es wird aber nicht am Montagmorgen mit Werkzeug vor deiner Haustür stehen. Gerade moderne handwerkliche Berufe werden außerdem immer technischer. Ein Elektrotechniker beschäftigt sich heute mit Photovoltaik, Wärmepumpen, Energiespeichern, Smart Home, Elektromobilität und digitaler Steuerung. Das hat mit dem alten Bild vom „Kabelziehen“ nur noch wenig zu tun.

Holen wir die Fachkräfte eben aus dem Ausland...
Österreich braucht Menschen aus anderen Ländern. Das ist schon aufgrund unserer Altersstruktur kaum anders möglich. Viele Menschen gehen in den kommenden Jahren in Pension und fehlen dann am Arbeitsmarkt. Fachkräfte aus anderen Ländern sind deshalb längst ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft. Aber Zuwanderung sollte nicht dazu führen, dass wir eine andere Aufgabe vergessen. Wir müssen gleichzeitig dafür sorgen, dass Jugendliche, die bereits hier leben und arbeiten möchten, eine echte Chance auf Ausbildung bekommen. Es wäre nämlich ziemlich widersinnig, einem 15-Jährigen zu sagen: „Für dich haben wir derzeit keine Lehrstelle.“ Und vier Jahre später zu klagen: „Wir finden leider keine Fachkräfte.“ Das passt nicht zusammen.

Heimat bist du großer Söhne und Töchter
Vielleicht kann man die bekannte Zeile aus unserer Bundeshymne an dieser Stelle einmal etwas anders verstehen. Österreich hat Jugendliche. Wir haben Polytechnische Schulen. Wir haben Berufsschulen. Wir haben Betriebe. Und wir haben eigentlich ein sehr gutes System aus Schule und praktischer Ausbildung.
Wenn trotzdem Jugendliche keine Lehrstelle finden und gleichzeitig Unternehmen keine Fachkräfte finden, sollten wir uns fragen, wo die Verbindung dazwischen verloren geht. An den schlechteren wirtschaftlichen Bedingungen allein liegt es nicht. Vielleicht brauchen kleine Unternehmen mehr Unterstützung bei der Ausbildung. Vielleicht brauchen wir mehr gemeinsame Ausbildungszentren und Ausbildungsverbünde. Vielleicht müssen Schulen und Unternehmen enger zusammenarbeiten. Vielleicht müssen Jugendliche früher mit echten Betrieben in Kontakt kommen. Vielleicht müssen manche Berufe auch einfach besser erklären, was man dort heute wirklich macht und welche Chancen man später hat. Und vielleicht müssen wir insgesamt etwas weiter vorausdenken. Nicht vielleicht - sondern ganz bestimmt.....jetzt und nicht irgend wann.

Die Fachkraft von morgen sitzt heute im Poly
Denn eines sollte eigentlich logisch sein: Fachkräftemangel beginnt nicht erst an dem Tag, an dem ein Unternehmen eine Stellenanzeige aufgibt und niemanden findet. Er beginnt Jahre vorher.
- Bei einem Betrieb, der keinen Lehrling aufnimmt.
- Bei einem Jugendlichen, der keine Chance bekommt.
- Bei einem Schüler, der zu früh aufgibt.
- Bei einer Berufsentscheidung, die nie wirklich überlegt wurde.
- Bei einer Busverbindung, die nicht existiert.
- Bei einer Politik, die erst reagiert, wenn das Problem bereits da ist.
Es gibt deshalb nicht den einen Schuldigen. Betriebe müssen ausbilden wollen und können. Der Staat muss gute Rahmenbedingungen schaffen. Schulen müssen Jugendliche vorbereiten. Und ja - Jugendliche müssen bereit sein, selbst aktiv zu werden, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.
