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Was müssen wir im Zeitalter der KI noch selbst können....

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Künstliche Intelligenz kann rechnen, Texte schreiben, Bilder erzeugen und schwierige Fragen beantworten. Doch was passiert, wenn wir ihr jede Denkarbeit überlassen? Schule muss heute beides vermitteln: wichtige Grundlagen und den sinnvollen Umgang mit KI. Die entscheidende Regel lautet: zuerst selbst denken, danach KI einsetzen und am Ende das Ergebnis verstehen, überprüfen und erklären können.

Wenn die KI die Arbeit übernimmt

Eine Studentin hält eine Abschlusspräsentation. Auf einer Folie ist Papst Leo XIV. abgebildet. Als ihre Professorin sie darauf anspricht, weiß die Studentin jedoch nicht, wer auf der eigenen Präsentation zu sehen ist. Die Folien hatte eine künstliche Intelligenz erstellt. Sarah Spiekermann beschreibt dieses Beispiel in einem Beitrag im STANDARD. Es zeigt ein Problem, das auch viele Lehrkräfte kennen: Schülerinnen und Schüler geben fertige Arbeiten ab, können deren Inhalt aber nicht erklären. Die Aufgabe wurde zwar erledigt – gelernt wurde dabei wenig.

Wissen bleibt notwendig

Manche glauben, wir müssten nichts mehr lernen, weil wir jederzeit eine KI fragen können. Doch wie soll man erkennen, ob eine Antwort richtig ist, wenn man selbst kein Grundwissen besitzt? Wer Prozentrechnen nicht versteht, kann nicht beurteilen, ob ein Rabatt wirklich günstig ist. Wer über Geschichte kaum Bescheid weiß, erkennt erfundene Behauptungen nur schwer. Und wer nicht gelernt hat, verständliche Sätze zu formulieren, kann auch einen KI-Text kaum beurteilen. Wir lernen daher nicht nur, um Antworten zu wissen. Wir lernen, damit uns niemand mit falschen Zahlen, erfundenen Informationen oder überzeugend klingenden KI-Antworten täuschen kann.

Zuerst selbst denken

Für KI könnte eine ähnliche Regel gelten wie für den Taschenrechner. Zuerst müssen die Grundlagen verstanden werden. Danach wird das Werkzeug eingesetzt. Zuerst selbst versuchen – dann KI nutzen – anschließend das Ergebnis überprüfen und erklären.

Bei einer Mathematikaufgabe sollte zuerst ein eigener Lösungsweg gesucht werden. Danach kann die KI helfen, Fehler zu finden oder einen anderen Weg zu erklären. Auch einen Text sollte man nicht vollständig erstellen lassen. Sinnvoller ist es, zuerst eigene Gedanken aufzuschreiben und die KI anschließend zum Verbessern und Kontrollieren zu verwenden. Wer ein Referat hält, muss außerdem wissen, was auf den Folien steht, und Fragen dazu beantworten können.

Der Vormittag gehört dem Lehrer, der Nachmittag der KI

Schule ist mehr als ein Ort, an dem richtige Antworten verteilt werden. Lehrerinnen und Lehrer erkennen, wo ein Denkfehler entstanden ist, welche Erklärung benötigt wird und wie ein Schüler motiviert werden kann. Diese persönliche Begleitung kann eine KI nicht ersetzen. Nach dem Unterricht kann KI jedoch beim Üben helfen, weitere Aufgaben anbieten oder einen schwierigen Sachverhalt noch einmal mit einfacheren Worten erklären. Man könnte daher sagen: Der Vormittag gehört dem Lehrer, der Nachmittag der KI.

Gemeint ist damit keine genaue Uhrzeit, sondern eine sinnvolle Reihenfolge: Zuerst entstehen gemeinsam mit der Lehrkraft Grundlagen und Verständnis. Danach unterstützt die KI beim selbstständigen Üben, Überprüfen und Verbessern.

KI als Werkzeug

Lernen braucht Zeit, Anstrengung und auch Fehler. Wer eine schwierige Aufgabe selbst versucht und seinen Fehler schließlich entdeckt, hat mehr gelernt als jemand, der sofort eine fertige KI-Lösung übernimmt. Deshalb sollte man die KI nicht einfach nach der Lösung fragen. Besser sind Fragen wie: „Gib mir einen Hinweis“, „Wo liegt mein Denkfehler?“ oder „Erkläre mir den nächsten Schritt, ohne die Lösung zu verraten.“ Die wichtigste Fähigkeit der Zukunft besteht nicht darin, möglichst schnell perfekte KI-Texte zu erzeugen. Entscheidend ist, trotz KI selbstständig denken zu können.

Ich versuche es zuerst selbst. Ich nutze KI gezielt zur Unterstützung. Und am Ende kann ich erklären, was ich gemacht und gelernt habe.

Wer das beherrscht, muss vor künstlicher Intelligenz keine Angst haben. Er verwendet sie als Werkzeug – und bleibt selbst derjenige, der denkt und entscheidet.