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TikTok oder doch gleich WeChat

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Entwicklung der Messenger in der digitalen Welt

Messenger gibt es wie Sand am Meer. Angefangen hat alles mit ICQ (I seek you) im Jahr 1996. Das Programm des israelischen Startups Mirabilis gilt als erster Instant Messenger und ist sehr beliebt. Wir benutzen es noch heute und sind unter 20406319 erreichbar. Seit 1996 ist viel passiert. Vor allem mit dem Aufkommen der Smartphones ist die Zahl der verschiedenen Messenger-Dienste geradezu explodiert. Wer kennt sie nicht, wer hat sie nicht installiert, wer ist nicht über Whatsapp, Instagram, Facebook Messenger, Snapchat, Telegram, Signal & Co. erreichbar? Vor allem TikTok ist bei Jugendlichen und Junggebliebenen sehr beliebt. Allerdings ist TikTok ebenso wie WeChat mit Vorsicht zu genießen. ......

TikTok - ein Messenger aus China

In den letzten Jahren hat sich TikTok zu einer der beliebtesten Plattformen (eine Milliarde aktive Tiktok-Nutzer) für kreative Kurzvideos entwickelt. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt teilen hier ihre künstlerischen Talente, humorvollen Momente im Leben, aber auch so manchen unnützen Schwachsinn. Hinter den heiteren Clips verbirgt sich jedoch eine beunruhigende Realität, die nicht nur das Vergnügen der Nutzer, sondern auch ihre persönliche Sicherheit und ihre Datenschutzrechte betrifft.

TikTok gehört der chinesischen Firma ByteDance. In China gelten andere Datenschutzgesetze und Sicherheitsbestimmungen wie in Europa oder in den USA.  Darin liegt der Hauptkritikpunkt an der App, wie TikTok Nutzerdaten sammelt und verwendet. Die App sammelt nicht nur persönliche Informationen wie Profilbilder, Standortdaten, Gerätetyp und Kontakte, sondern analysiert auch das individuelle Nutzerverhalten, um personalisierte Inhalte und Werbung zu generieren.  Diese große Datensammlung (Modell des Telefons, Betriebssystem, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Kontaktliste, Verlauf....) ermöglicht nicht nur die Erstellung detaillierter Nutzerprofile, sondern stellt auch eine potenzielle Bedrohung für die Sicherheit deiner Privatsphäre dar.

Die App birgt auch potentielle Gefahren (Cybermobbing, Cybergrooming, Kinder-Pornografie, Pädophilie...) in sich. Viele der Videos sind absolut nicht jugendfrei. Die Altersbeschränkung von 13 Jahren wird oft von jüngeren Kindern umgangen, eine genaue Alterskontrolle seitens des Betreibers findet nicht statt. Es gibt zwar einige Kinderschutzmechanismen, diese können aber durch Angabe eines falschen Geburtsdatums umgangen werden.

TikToks und Kommentare können nicht nur lustig und unterhaltsam sein, sondern auch unangemessen, vulgär und vor allem jugendgefährdend. Verschwörungstheorien, Suizidgedanken oder politische Radikalisierung in jeder politischen Richtung sind immer wieder zu finden. Eine echte Zensur bzw. einen effektiven Jugendschutz gibt es hier nicht.

Suchtgefahr ist gegeben, Bildschirmzeiten von TikTokern jenseits der 7 Stunden pro Tag sind keine Seltenheit. Tiktok-Challenges und waghalsige Mutproben sind unter den Usern sehr beliebt. Viele Jugendliche nehmen in der Hoffnung an gefährlichen TikTok-Challenges teil, dass extremere und noch aufsehenerregendere Videos ihnen eine bessere Platzierung im Ranking des Algorithmus verschaffen. Leider führt dies oft zu ernsthaften gesundheitlichen Risiken und sogar lebensgefährlichen Situationen. Für negative Meldungen sorgte die sogenannte "Blackout Challenge". Dabei würgten sich vor allem Jugendliche vor laufender Kamera so lange, bis ihnen schwarz vor Augen wurde und sie ohnmächtig wurden. Mehrere Menschen haben so ihr Leben verloren.

Das Geheimnis des Erfolges der Tiktok-App ist der bereits angesprochene Software-Algorithmus, der die Videos seiner User wertet,  individualisiert und fortlaufend an die Vorlieben anpasst. Berücksichtigt werden unter anderem, welche Inhalte du bevorzugst und ob du das Video bis zum Schluss anschaut oder skipst. Was die TikTok-Algorithmen besonders gefährlich macht, sind die Inhalte der Videos selbst.

Wichtig dabei sind die genutzten Hashtags und ob das Video bis zum Ende gesehen wurde, oder gar wiederholt gesehen wurde. Es dauert wenige Stunden, um in einer Filter-Bubble (Videos eines Themas) zu landen. Je mehr Videos du in diesem Bereich schaust, umso mehr glaubst du blind den Inhalten.  So besteht die Gefahr, schnell in einer Bubble (Blase) aus irren Verschwörungstheorien oder politischen Radikalisierung zu landen. Was anderes siehst du kaum mehr. Absichtlich, um deine Meinung und deine Sicht der Dinge bewusst zu manipulieren.

Die TikTok-App ist kostenlos zum Download und zur Nutzung verfügbar. Die User haben jedoch die Möglichkeit, ihre Influencer finanziell zu unterstützen und Aufmerksamkeit zu erregen, indem sie Geldgeschenke senden. Diese Geldbeträge werden über die App Stores, PaySafeCards oder die Mobilfunkrechnung abgewickelt. Die Funktion, Geldgeschenke zu senden oder zu empfangen, steht nur Personen ab 18 Jahren zur Verfügung, aber die Überprüfung des Geburtsdatums erfolgt nicht bei der Anmeldung. Um "unabsichtliche Kosten" zu vermeiden, solltest du entsprechende Einstellungen am Smartphone deaktivieren.

Fazit: Die USA überlegt ein vollständiges Verbot der App. In Europa verbieten bereits viele Firmen die Nutzung von TikTok auf den Diensthandys ihrer Mitarbeiter.  Auch wir sehen in dieser App wenig Sinn und viele Gefahren (Video). Sinnvolle Angebote sind bei anderen Anbietern zu finden. TikTok - nein,  nein danke. Für uns ein alsolutes NO GO.

 

WeChat - es geht noch schlimmer 

WeChat, auch als "Super-App" bekannt, hat sich zu einem unverzichtbaren Element des digitalen Lebens in China entwickelt. Die App wurde im Jahre  2011 auf den Markt gebracht und unterstützt viele Sprachen (Chinesisch, Deutsch, Türkisch, Polnisch und Italienisch).Trotz ihrer scheinbaren Vielseitigkeit gibt es wie bei TikTok ernsthafte Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Überwachung und der möglichen Gefahr, persönliche Freiheiten zu beeinträchtigen.

WeChat gibt nahezu alle Daten an die chinesischen Behörden weiter. WeChat sammelt nicht nur grundlegende Nutzerinfos, sondern auch umfassende Aktivitätsdaten. Dies ermöglicht nicht nur dem chinesischen Staat, detaillierte Profile seiner Bürger zu erstellen, sondern birgt auch Privatsphäregefahren, wenn die Daten in falsche Hände geraten oder missbräuchlich genutzt werden.

WeChat hat sich im Lauf der Jahre von einem einfachen Messenger zur Super-App entwickelt und ist für jeden Bürger in China ein Must Have  am Smartphone. WeChat, im Besitz des chinesischen Technologieriesen Tencent, geht über die Funktionen einer herkömmlichen Messaging-App hinaus. Es dient vielmehr als eine Art digitales Multifunktionswerkzeug mit populärem Livestyle, das soziale Medien, Zahlungsdienste, Einkaufsmöglichkeiten, Nachrichten und vieles mehr in sich vereint. Mit anderen Worten: Die Funktionen von Amazon, Facebook, Paypal & Whats App in einer einzigen praktischen App - einer Super-App.

Zu betonen sind vor allem hier der digitale Geldfluss. Egal ob kleine oder große Zahlungen oder Geldtransaktionen, über die allmächtige App WeCHat werden diese bargeldlos abgewickelt und natürlich protokolliert. WeChat integriert zusätzlich Miniprogramme, die als eigenständige Software in die App integriert sind. Damit können die Nutzer direkt auf der WeChat-Plattform Spiele spielen, online einkaufen, Arzttermine vereinbaren oder beispielsweise Behördengänge digital erledigen. Diese Programme werden ohne Installation online genutzt. Sie können ausschließlich über die App genutzt werden, die Menschen sind davon abhängig.

Obwohl die WeChat zu den meist verwendeten Messengern weltweit gehört, wird sie außerhalb Chinas kaum genutzt. In China ist die staatliche  Zensur fast schon zur akzeptierten Selbstverständlichkeit und die App WeChat zum gezwungenen Must Have geworden. In diesem Land sind sowohl westliche Apps wie Facebook,  WhatsApp, Instagram als auch YouTube gesperrt. Aber in der App Wechat selbst  werden ca. 200 Wörter im Chat nicht angezeigt, obwohl sie geschrieben und versendet wurden. Ohne Warnung oder Hinweise werden diese Informationen in Echtzeit unterdrückt und besonders verdächtig eingestufte Begriffe direkt an die chinesischen Behörden weitergeleitet. So werden offene Diskussionen oder gar staatskritische Mitteilungen im Keim digital erstickt. China überwacht und zensuriert jede Art von Information (Text, Bild & Video) und formt damit bewusst das öffentliche - einzig wahre -  Meinungsbild. Alternative Denk- oder Lebensweisen sind nicht erwünscht.

Wer sich nicht an die staatlichen Vorgaben hält, wird in der App gesperrt. Damit ist der Nutzer nicht nur in der App gesperrt, sondern auch in der digitalen Kommunikation mit Verwandten und Freunden. Ebenso kann er keine Einkäufe oder andere finanzielle Transaktionen tätigen. Viele Aktivitäten im normalen Leben sind dem Nutzer somit verwehrt, was einen erheblichen Einschnitt in das alltägliche Leben darstellt. Eine Freischaltung kann Monate dauern, vorausgesetzt die chinesische Regierung stimmt zu.


Fazit: WeChat - nein,  nein danke. Für uns ein absolutes NO GO - ebenso wie TikTok. Die App WeChat macht aufgrund ihres Einzugsgebietes und ihrer länderspezifischen Funktionalität im Wesentlichen ohnehin keinen Sinn. Erschreckend war bei unseren Recherchen, dass der Hype um die App in China dennoch ungebrochen ist. Der Komfort - die Bequemlichkeit der Nutzung steht insgesamt über der Abhängigkeit und der Einschränkung der eigenen Meinungsfreiheit. WeChat ist digital gesehen eine geniale App, die viele Erleichterungen im Alltag gebracht hat, aber zu welchem Preis im realen Leben?

Besteht diese Gefahr der Überwachung und Einschränkung auch bei uns? Wie viel Freiheit und Demokratie, Privatsphäre und Datenschutz sind wir bereit, für Bequemlichkeit zu opfern? Werden wir durch Google & Social Media auch zum gläsernen Menschen? Werden wir bald auch in der realen Welt an unserem digitalen Verhalten gemessen? Gewogen, gemessen und vielleicht für nicht würdig befunden?

Wir werden in Zukunft sehr genau abwägen müssen, wie viel wir von der digitalen Welt in unser reales Leben lassen. Wir haben nur ein Leben. Das sollte - das muss uns einfach bewusst werden. Freiheit und Demokratie sind Werte, die unter keinen Umständen aufgegeben oder aufs Spiel gesetzt werden dürfen.

UPDATE Februar 2024: Die Europäische Union (EU) hat eine Untersuchung gegen TikTok wegen mutmaßlicher Verstöße gegen den Jugendschutz eingeleitet. „Als Plattform, die Millionen von Kindern und Jugendlichen erreicht, kommt TikTok eine besondere Rolle beim Schutz von Minderjährigen im Internet zu“, sagte EU-Industriekommissar Thierry Breton.
Grundlage der Ermittlungen ist der „Digital Services Act“ (DSA), der besonders großen Internetplattformen strenge Regeln auferlegt. Bereits im Herbst 2023 hatte die EU eine  Untersuchung gegen X (Twitter) eingeleitet, weil es nicht konsequent genug gegen Falschmeldungen (Fake News. Deep Fakes...)  vorgegangen sei. Meta (Facebook, Whatsapp und Instagram) wurde  aus ähnlichen bereits Gründen gerügt.